Workshops und Klausuren
Wo eine Gruppe lange an einer Sache sitzt, fragt sie nach, hält fest und spiegelt die Stimmung, ohne dass jemand mitschreiben muss.
Randnotiz · KI auf Papier · ein Prototyp aus Bregenz
Eine kleine Box ohne Bildschirm und ohne Stimme. Sie hört dem Gespräch zu, und nur wenn es sie braucht, druckt sie eine Frage oder eine Beobachtung auf einen Streifen Papier in der Mitte des Tisches.
KI-generiert
Die Box steht am Tisch und hört zu. Alle am Tisch wissen das, und wer nicht will, sagt Nein. Dann bleibt sie still.
Die meiste Zeit geschieht nichts, und das ist Absicht: Das Gespräch gehört den Menschen, die es führen. Erst wenn die Box den Moment für gekommen hält, etwa weil ein Gedanke liegen geblieben ist oder eine leise Stimme kaum Gehör gefunden hat, rattert der Drucker. Alle hören es im selben Augenblick.
Der Zettel liegt in der Mitte. Man kann ihn vorlesen, weiterreichen, liegen lassen oder zerreißen. Die Box gibt dem Tisch zurück, was sie dort gehört hat, solange das Gespräch noch lebt.
Ein gutes Gespräch kann sie nicht herstellen. Sie kann Bedingungen dafür schaffen und dann wieder aus dem Weg gehen. Vielleicht liegt darin ihre eigentliche Kunst: zu wissen, wann sie schweigt.
Vorhin ist ein Satz über die Zeit nach dem Projekt gefallen und dann liegen geblieben. Was wäre, wenn ihr dort weitermacht?
So könnte ein Zettel aussehen.
Ausgedacht, nicht aus einem echten Gespräch.
Am Drehschalter der Box wählt man, was sie tut.
Sie stellt die Frage, die am Tisch noch niemand gestellt hat. Dafür schaut sie auf die letzten Minuten des Gesprächs.
Sie hält fest, was seit dem letzten Zettel gesagt wurde, damit nicht verloren geht, worauf ihr später zurückkommen wollt.
Sie beschreibt, wie die Runde der letzten zwanzig Minuten auf sie wirkt. Eine Wahrnehmung, kein Urteil.
Für das Ideencamp entscheidet die Box selbst, wann sie fragt, und setzt ihre wenigen Fragen dorthin, wo sie am meisten bewegen könnten. Wer am Tisch selbst eine Frage möchte, drückt den Knopf und zieht sich eine.
Eine Idee für später: Die Box hört stellvertretend für die zu, die gerade nicht mit am Tisch sitzen.
KI-generiert
Alles, was zwischen den Menschen am Tisch stehen könnte, machen wir so klein wie möglich, damit der Kontakt zwischen ihnen so groß wie möglich werden kann.
Deshalb hat die Box keinen Bildschirm, der den Blick nach unten zieht, und keine Stimme, die das Wort ergreift. Ein Zettel in der Mitte gehört allen, die am Tisch sitzen.
Damit die Box versteht, was gesagt wird, geht der Ton während des Zuhörens an einen europäischen KI-Dienst und wird dort in Text übertragen und ausgewertet. Eine Fassung, die ganz ohne Internet auskommt, ist unser Ziel für vertrauliche Runden. Gebaut ist sie noch nicht. Was genau mit dem Gesagten passiert, steht im Abschnitt Daten.
KI-generiert
Wo eine Gruppe lange an einer Sache sitzt, fragt sie nach, hält fest und spiegelt die Stimmung, ohne dass jemand mitschreiben muss.
Eine Box pro Tisch, und jeder Tisch bekommt seine eigenen Zettel, mitten im Gespräch statt im Bericht danach.
Wo Bürgerinnen und Bürger miteinander reden, kann sie das Liegengebliebene und die leisen Stimmen zurück in die Runde holen.
In Trainings für Moderation und Gastgeberschaft zeigt sie der Gruppe, was in ihrer Runde gerade geschieht, als Anlass zum Nachdenken über das eigene Gespräch.
Ohne Internet, alles bleibt im Raum. Das setzt die Fassung voraus, die wir noch bauen müssen.
Sie bringt Menschen ins Gespräch, die einander noch nicht kennen.
Die Box wird zur Spielleiterin, die Rätsel druckt.
Schulklassen bauen die Box selbst und lernen dabei, wie KI funktioniert, und wo sie aufhört.
Steht an jedem Tisch eine Box, hören sie auch einander zu. Dann kann ein Zettel davon erzählen, dass am Tisch nebenan gerade dieselbe Frage bewegt wird, oder ihr Gegenteil. Manchmal ist das der Anlass, aufzustehen und hinüberzugehen.
Verkauft wird nicht die Box. Wir begleiten das Gespräch, in dem sie mitspielt, und betten sie so ein, dass sie zur Gruppe passt.
Das Wichtigste wissen wir noch nicht: was die Box im Raum mit einer Gruppe macht. Wenn Menschen ihr widersprechen, ist das für uns ein Ergebnis und kein Störfall, auch wenn am Ende herauskommt, dass es eine ganz andere Form braucht.
Welche Form müsste KI haben, damit sie Menschen hilft, bessere Gespräche zu führen?
Eine Anregung am Anfang war die Paper Console von Travis Miller, ein offenes Projekt, bei dem ein kleiner Drucker zur Schnittstelle wird. Gehäuse, Technik und Software der Randnotiz haben wir selbst entwickelt.
Am 12. November 2026 steht die Randnotiz beim Ideencamp #40 in Vaduz an einem Tisch. Es ist ihr erster Abend mit Menschen, die sie nicht kennen, und wir wollen zwei Dinge lernen: Funktioniert die Technik? Und was macht so eine Box mit einem Gespräch? Dafür hört sie zu, und dafür heben wir auf, was sie gehört hat. Hier steht, was genau geschieht.
Bevor die erste Runde beginnt, fragen wir die Menschen am Tisch. Sagt eine Person nein, nehmen wir die Box weg. Kein Mehrheitsentscheid. Wenn in einer neuen Runde neue Menschen am Tisch sitzen, fragen wir wieder. Und mitten im Gespräch genügt ein Handgriff: Hebel umlegen, das Licht geht aus, die Box hört nicht mehr zu und nimmt nichts mehr auf.
Solange die Box leuchtet, geht der Ton an Mistral AI, ein Unternehmen aus Frankreich, das seine Dienste in der EU betreibt. Dort wird der Ton in Text verwandelt. Jede Minute liest ein Sprachmodell von Mistral den Text der laufenden Runde, zusammen mit einer kurzen Zusammenfassung der früheren Runden, und entscheidet, ob jetzt der Moment für eine Frage ist. Meistens ist er es nicht, und es geschieht nichts. Mistral verwendet diese Daten nicht zum Training seiner Modelle.
Geht nichts hinaus. Die Box misst nur auf dem Gerät, wie laut es am Tisch ist, um zu merken, wann es wieder losgeht.
Auf der Speicherkarte bleiben die Tonaufnahme jeder Runde, der Text und ein Protokoll, wann die Box eine Frage erwogen, gedruckt oder verworfen hat. Diese Dateien landen in keiner Cloud-Ablage.
Flo und Philipp holen die Dateien von der Box auf einen Rechner und löschen sie auf der Box. Dann hören und lesen sie nach: Wo kam eine Frage im richtigen Moment, wo zu spät, wo hat die Box sich geirrt? Für zwei Tests verarbeiten wir das Material weiter:
Wir veröffentlichen weder Ton noch Text und zitieren niemanden. Spätestens am 31. Dezember 2026 löschen wir Ton und Text. Was bleibt, sind unsere Auswertung und die Fragen der Box.
Eine Box, die zuhört, verlangt Vertrauen, und Vertrauen braucht Wissen darüber, wohin das Gesagte geht. Ehrlich gesagt sind wir damit nicht zufrieden, dass am Ideencamp-Abend der Ton in eine Cloud geht. Deshalb dienen die beiden Tests einer größeren Frage: Kann die Box so gebaut werden, dass der Ton am Tisch bleibt und höchstens eine Nacherzählung ohne Personenbezug den Raum verlässt, oder gar nichts? Was wir dabei lernen, erzählen wir hier.
Fragen, Einwände, früher löschen. Wer wissen will, was von der eigenen Runde gespeichert ist, oder möchte, dass die Aufnahme früher gelöscht wird, schreibt an flo@flooberforcher.at.
Wer verantwortlich ist. Verantwortlich für die Verarbeitung ist inszemo e.U., Flo Oberforcher, Gallusstraße 45, 6900 Bregenz, flo@flooberforcher.at. Grundlage ist eure Einwilligung am Tisch (Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO). Ihr könnt sie jederzeit widerrufen: Hebel umlegen, Nein sagen oder schreiben. Mistral AI verarbeitet die Daten in unserem Auftrag. Ihr habt das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung und Datenübertragbarkeit sowie das Recht, euch bei einer Datenschutzbehörde zu beschweren, in Österreich bei der Datenschutzbehörde, in Liechtenstein bei der Datenschutzstelle.
Uns verbindet die Begeisterung für Technik und die Freude am Experimentieren. Die Box ist unser gemeinsames Werkstattprojekt.
Flo Oberforcher ist Facilitator und Prozessbegleiter. Er gestaltet Workshops, Klausuren und Beteiligungsprozesse, oft mit dialogischen Formaten. Daher kommt die Idee.
Philipp Oberforcher ist Motion Designer und KI-Berater. Er konstruiert das Gehäuse, verkabelt die Technik und entwickelt mit Flo die Software- und KI-Seite. Mehr von ihm unter digitalmaker.at.
Das Ideencamp #40 findet von 17 bis 22 Uhr im Vadozner Huus in Vaduz statt. Wer die Randnotiz am Tisch erleben möchte, meldet sich beim Ideenkanal an. Für Gäste ist die Teilnahme kostenlos, eine Spende ist willkommen.
Zur Anmeldung →Ihr habt eine Runde, in der die Box mitspielen darf? Wir kommen mit ihr vorbei und schauen gemeinsam mit euch, was sie dort macht.
Testtisch anfragen →Für die nächsten Schritte, eine zweite Box und Tische, die einander zuhören, suchen wir Partner, Förderung und Menschen, die mitdenken.
Schreib uns →Was wir an den Tischen lernen, auch das, was nicht funktioniert, erzählt Flo auf LinkedIn.
Zu LinkedIn →Eine Frage, ein Einwand, eine Idee, wo die Box gerade fehlt? Meldet euch. Gerade die Einwände bringen uns weiter.